Lärmbelastung

Ruhe bitte!


Computer summen, Kopierer dröhnen, Telefone klingeln – noch nie war es in den Büros so laut wie heute. Doch wenn die Lärmbelastung steigt, sinkt die Arbeitsleistung.

Das Großraumbüro ist der Arbeitsplatz der Zukunft. Wen wundert’s, liegen die Vorteile dieser Gebäudeform doch auf der Hand: Optimale Flächennutzung, flexible Grundrisse und kurze Wege machen sich für jedes Unternehmen schnell bezahlt. Der Nachteil: Lärm. Die meisten typischen Bürogeräte sind zwar im Lauf der Jahr ständig leiser geworden. Gleichzeitig wurden es jedoch immer mehr. Heute ist die Luft über den Schreibtischen erfüllt vom Rauschen der Lüfter, vom Klappern der Tastaturen und vom Klingeln der Telefone. Hinzu kommt das permanente Stimmengewirr der Gespräche und Telefonate der Kollegen. Unser Körper reagiert instinktiv: Jedes neue Geräusch erregt unser Interesse und lenkt uns ab. Konzentriertes Arbeiten wird unmöglich. Denn unsere Augen können wir schließen, unsere Ohren leider nicht.

 


Lärm kostet Geld

Gerade bei anspruchsvollen Arbeiten wirkt sich Lärm besonders negativ aus, hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgefunden. Bei einfacheren, eher monotonen Aufgaben lässt sich der störende Krach noch mit erhöhter Aufmerksamkeit wettmachen. Doch bei komplexen geistigen Tätigkeiten sind die Folgen der Lärmbelästigung fatal: Im gleichen Maß, wie der Zeitaufwand zunimmt, lässt die Leistungsfähigkeit nach und die Fehlerrate steigt. Besonders stressig: das unfreiwillige Mithören von Gesprächen und Telefonaten. Vor allem Kopfarbeiter fühlen sich durch das ständige bewusste „Weghören“ in ihrer Konzentration in hohem Maße beeinträchtigt. Mitarbeiter, die in lauten Räumen arbeiten müssen, beklagen sich bemerkenswerterweise kaum über höheren Stress. Sie bemühen sich stattdessen, den täglichen Krach zu kompensieren, indem sie ihre Konzentration steigern. Der Preis dafür sind Müdigkeit, Überanstrengung und schlechte Laune. Betriebswirtschaftlich gesehen sind die negativen Folgen von Lärm am Arbeitsplatz gewaltig: So schätzen u. a. der VDI (Verein Deutscher Ingenieure), dass Verluste von 20 bis 30 Prozent auf die Störquelle Lärm zurückzuführen sind.


Wie wird man Geräusche los?

Beispiel-Maßnahmen:

  • schallabsorbierende Wände und Decken
  • wirksame Tieftonabsorber
  • zonierende Hochleistungs-Schallschirme
  • Trittschalldämmung durch Teppiche
  • lärmintensive Bereiche abtrennen
  • Akustikzonen passend zu den Arbeitsteambildern


Lärm macht stumpfsinnig

Sinneswahrnehmungen stören durch ihre unwillkürlich nachfolgende Verarbeitung im Kopf. Diese Denkvorgänge, auf die wir so gut wie keinen Einfluss haben, blockieren die Leistungsfähigkeit des Gehirns für das, was wir eigentlich tun wollen. Konzentriertes Lesen beispielsweise beansprucht praktisch unsere gesamte Aufnahmefähigkeit. Der Zeitungsleser am Frühstückstisch kann seine Ehefrau nicht hören. Warum? Weil beim Lesen mit hoher Geschwindigkeit die menschlichen Augen eine derartige Fülle an Sinneseindrücken liefern, dass das Gehirn praktisch völlig ausgelastet ist. Gleiches gilt aber auch andersherum: Wenn das Gehirn permanent damit beschäftigt ist, Geräusche zu erkennen und „wegzudenken“, haben andere Aufgaben Pause, denn alle Gehirnkapazitäten sind besetzt. Das wussten schon die alten Griechen: In der Antike war die Denkerzelle entsprechend gestaltet: weiß getünchte Wände, kein Wandschmuck, keine Bilder, Fenster nur mit Ausblick zum Himmel. So ein Raum bildete die Basis für die schöpferische Leistungskraft des Geistes.

 


Krach im Team

Die Teamarbeit ist heute der Schlüssel für intelligente und kreative Lösungen in allen Bereichen der Arbeitswelt. Irgendwann jedoch folgt auf jede Teamarbeit wieder Einzelarbeit, um die Ideen der Gruppe zu verarbeiten. Das Problem: Gruppen verursachen genau den Lärm, in dem der Einzelne dann arbeiten muss. In der Architektur wird dieser Entwicklung kaum Rechnung getragen. Moderne Verwaltungsbauten sind eher geprägt durch den Zwang zur Kosteneinsparung, Rationalisierung und Energiespareffizienz. Natürlich bieten bauteilaktivierte Sichtbetondecken jede Menge Vorteile: niedrigere Bauhöhe, geringere Kubatur, kleinere Fassaden flächen, weniger Wände u.v.m. Der mit Abstand wichtigste Vorteil ist jedoch die äußerst kostengünstige Kühlung der Räume durch Betonkernaktivierung. So gut wie alle modernen Bürobauten basieren deshalb auf diesem Konzept. Entscheidender Nachteil: Für schallabsorbierende Maßnahmen bleibt kein Platz, die Deckenflächen sind dafür verloren. Die Folge: extrem schallharte Räume, Nachhallzeiten und Echos, wie man sie sonst nur in Kirchen und Hallen findet.


Telefonie wie noch nie

Im Sommer 2006 gab es in Deutschland erstmals mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner, 2007 waren es 97 Millionen und für Ende 2008 sind rund 107 Millionen prognostiziert. Statistisch gesehen besitzt jeder fünfte Deutsche bereits zwei Mobiltelefone (Quelle: BITKOM). Wo sich noch vor 20 Jahren mehrere Schreibtische per Schwenkarm ein einziges Telefon teilten, ist heute das Dauertelefonieren jedes Mitarbeiters der Normalfall. Auch der Gesetzgeber hat reagiert und die DIN 18041 „Hörsam - keit in kleinen und mittelgroßen Räumen“ überarbeitet. Darin wird für sprachintensiv genutzte Büroräume ein über die Raumoberfläche gemittelter Absorptionsgrad von alpha w 0,35 empfohlen, soweit dies technisch machbar ist. Eine berechtigte Einschränkung. Ist dieser Absorptionsgrad doch nur durch eine vollflächige Akustikdecke und das Belegen von nahezu allen Wandflächen mit wirksam schallabsorbierendem Material zu erreichen. In einem Durchschnittsbüro ist dies in der Regel nicht machbar.


Tiefe Töne – hoher Lärmpegel

Die tiefen Frequenzen wurden bei der Geräuschabsorption früher stets vernachlässigt. Der Grund: Konventionelle Akustiksysteme absorbieren durch ihr sogenanntes Lambda-Viertel-Wirk prinzip Töne im Tieftonbereich nicht oder nur unwesentlich. Die computergestützte Messtechnik zeigte jedoch, dass gerade die tiefen Töne zwischen 63 und 250 Hz im Raum die größte Energie aufweisen und die Raumakustik am stärksten beeinflussen. Ein Sprachdialog beispielsweise wird dann unverständlich, wenn er durch laute, tiefe Töne überlagert wird. Nimmt diese sogenannte Maskierung weiter zu, erhöht das menschliche Gehirn unwillkürlich die eigene Sprachlautstärke, um sich wieder verständlich zu machen. Der Geräuschpegel schaukelt sich also ständig weiter hoch. Es kommt zum Partyeffekt, den jeder aus Gaststätten oder Festzelten kennt. Die Folgen: starke Nervosität, überanstrengte Stimmbänder, Ermüdung durch ständig erhöhte Konzentration.

 

 

Die Lärmfresser

Dieses Tiefton-Problem galt viele Jahre lang als unlösbar. Bis es in einem gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekt der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Industriepartner Renz gelang, hochwirksame Schwingungsresonatoren zu entwickeln, die die Energie von tiefen Frequenzen aufnehmen und abführen können. Nach diesem Konzept gebaute Trennwände „fressen“ in ihrem Inneren die Energie der Frequenzen von 63 bis 4.000 Hz fast vollständig auf. Die Dämmwirkung entspricht der einer geschlossenen Zimmertür.


Zu viel um die Ohren…

Das Entwicklungs- und Lehrzentrum für Raumakustik verglich in einem Sprachversuch 40 verschiedene Akustikmaßnahmen und ihre Auswirkung auf das menschliche Sprechen und Hören. Vier Redner im jeweiligen Versuchsraum mussten ein Telefonat mit einem Außenstehenden führen. Die Ergebnisse in konventionell ausgestatteten Räumen waren ernüchternd: Ein oder zwei Redner konnten noch verhältnismäßig gut kommunizieren, bei vier Rednern gleichzeitig kam es zu einem Stimmengewirr wie in einem Festzelt. Alle Telefonate wurden schon nach kurzer Zeit ohne Erfolg abgebrochen. Eine enorme Verbesserung für die Sprachverständlichkeit brachte der Einsatz der kombinierten Tiefton- und Breitbandabsorber. Auch das störende Lautheitsempfinden wurde deutlich reduziert. Beides also ideale Voraussetzungen für die typische parallele Kommunikation im modernen Großraumbüro. Alle weiteren Forschungsprojekte und die mittlerweile zahlreichen realisierten Anwendungen brachten ein klares Ergebnis: Wird die akustische Raumbelastung im Tieftonbereich stark verringert und der für Sprache besonders wichtige mittlere und höhere Frequenzbereich nur begrenzt absorbiert, ist die Wahrnehmungsfähigkeit des Hörsystems so gut, dass Menschen in derart ausgestatteten Räumen sechs bis acht Dezibel leiser reden (alle 10 Dezibel verdoppelt sich die Lautstärke). In richtig gedämmten Räumen kommt es zu einem Empfinden von Ruhe und Entspannung – trotz intensiver Kommunikation.


Perfekt abgeschirmt

Moderne Gruppenräume mit hohem Kommunikationsaufkommen fordern aber noch mehr: z.B. Störpegel-Minderungen auch auf kürzeste Entfernung. Hier sind Lösungen gefragt, die eine flexible und dynamische Nutzung von Raumstrukturen nicht „verstellen“. Die Montage von Wandmodulen macht da nur wenig Sinn. Ein Akustikbaustein, der diese widersprüchlichen Aufgaben erfüllt, entstand in einem zweiten Entwicklungsprojekt: der Hochleistungs-Schallschirm. Er lässt sich überall flexibel aufstellen und liefert Schalldämmung genau dort, wo man sie gerade braucht. Tausende von realisierten Arbeitsplätzen zeigen die neuen Möglichkeiten in Gebäudeplanung und Raumnutzung:

  • ungestört telefonieren, wann und wo man will,
  • flexible Elemente statt teurer Baumaßnahmen und
  • tägliche Umsetzbarkeit bei laufendem Bürobetrieb.


Schall- und kostendämpfend

Neben der beeindruckenden Schallabsorption bieten moderne Akustikmodule ganz nebenbei auch enormes Potenzial in Sachen Flächenoptimierung. Ein Beispiel: das Rostocker Callcenter der Vivento Customer Services mit rund 4.000 Quadratmetern Fläche für 500 Agents. Hier ist es gelungen, mit den neuartigen Trennwänden den Flächenbedarf pro „Seat“ fast zu halbieren beziehungsweise die Arbeitsplätze zu verdoppeln. Dabei hielten sich die Kosten mit Investitionen in Höhe von rund 600 Euro pro Arbeitsplatz durchaus im Rahmen herkömmlicher Lösungen. Ein Vorteil für die Mitarbeiter sind die teilverglasten Trennwände: Sie unterstreichen die Großzügigkeit von großen Räumen, öffnen den Blick und ersparen die in Callcentern häufig anzutreffende „Käfighaltung“.